Service-Navigation

Suchfunktion

Auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule

Landesweit wird über die Chancen der Gemeinschaftsschulen gesprochen, die Nachbarstädte richten Gemeinschaftsschulen ein. Auch in Reutlingen  ist man intensiv tätig - die Stadtverwaltung begleitet den Prozess aktiv. Wir als Hermann-Hesse sind seit gut einem Jahr daran, die Idee „Gemeinschaftsschule“ sorgfältig zu prüfen, die Chancen festzustellen und einen Weg für uns zu finden um von den Möglichkeiten zu profitieren, die uns eine Gemeinschaftsschule eröffnen kann.

Falls Sie sich noch nicht mit dieser Schulart auseinander gesetzt haben, möchten wir Sie etwas ausführlicher über verschiedene Themen und Fragen zur Gemeinschaftsschule informieren. Ganz kurz vorab: Der Landtag von Baden-Württemberg hat im April die Gemeinschaftsschule als weitere Schulart in Baden-Württemberg im Schulgesetz verankert. Baden-Württemberg hat zum Schuljahr 2012/13 vierzig Gemeinschaftsschulen landesweit als Starterschulen auf den Weg gebracht. Im nächsten Schuljahr sollen weitere Schulen diese Chance erhalten. Die Anmeldezahlen zeigen, dass viele Eltern dieser neuen Schulform ihr Vertrauen schenken und den anderen Schularten weglaufen.
In einer Gemeinschaftsschule werden Gymnasialniveau, Realschulniveau und Hauptschulniveau angeboten. Die Schüler werden mit zusätzlichen Lehrerstunden individuell gefördert, das Land investiert für jede Klasse wöchentlich 6-9 Lehrerstunden, die Städte schaffen mit Landesunterstützung die baulichen Voraussetzungen, die Schulen arbeiten mit Arbeitsformen, die den einzelnen Schüler in den Vordergrund rücken.

Gemeinschaftsschule  =  Realschule  +  Gymnasium  +  Hauptschule
Im Kern der Gemeinschaftsschulen steckt der Bildungsplan der Realschule. Unsere guten Inhalte und das Profil der Hesse bleibt erhalten. Daran anknüpfen werden Inhalte aus dem Hauptschulbildungsplan und dem Gymnasialbildungsplan sowie Methoden zur Individualisierung.
Lernen vom Schüler aus gedacht
Das Lernen der Schüler wird in Gemeinschaftsschulen mehr vom Schüler aus gedacht. Schüler sind unterschiedlich, nicht jeder Schüler braucht die gleichen Übungen und nicht jeder Schüler ist zur gleichen Zeit fertig mit dem Erarbeiten eines Themas. Der Schüler als Verantwortlicher seines eigenen Lernprozesses unter Begleitung eines professionellen Lernbegleiters. Impulse, Förderung und Forderung der Schüler zu einem eigenmotivierten und nachhaltigen Lernen, darauf wird in einer Gemeinschaftsschule Wert gelegt und dafür werden auch mehr Lehrerstunden zur Verfügung gestellt. Die Individualisierung steht in den Gemeinschaftsschulen im Mittelpunkt. Die Klassen werden maximal 28 Schüler haben und die Lehrer werden oft Kleingruppen zu Erklärungen zu sich holen und mehr Zeit für Gespräche mit dem einzelnen Schüler haben.

Was bringt uns die Gemeinschaftsschule?
Die Gemeinschaftsschule bringt für die bisherigen Hesse-Realschüler und für die vielleicht künftigen Hesse-Gemeinschaftsschüler nur Vorteile. Die jetzigen Schüler profitieren von den baulichen und einem Teil der pädagogischen Verbesserungen, künftige Hesse-Schüler profitieren von allen beiden Entwicklungen voll.

Schüler werden individuell gefördert
In Mathe schon auf Gymnasialniveau unterrichtet werden und in Englisch noch auf Realschulniveau arbeiten, solche Kombinationen wären heute schon gefragt an der Hesse. Künftig könnten wir diese Schüler auch so unterrichten und mehr Schülern die Entwicklung von guten Leistungen ermöglichen. Auf einer Gemeinschaftsschule muss sich niemand mehr ärgern, dass er nicht auf dem Gymnasium ist. Der Weg auf der Gemeinschaftsschule ist offen: Diese Schule ist Gymnasium, Realschule und Hauptschule in einem.

Individuelle Beratung
An Gemeinschaftsschulen gibt es Lehrerstunden dafür, dass Schüler beraten und gecoacht werden. Endlich können die Lernfortschritte und Lernprozesse des Einzelnen stärker bearbeitet werden. Wir könnten für jede Klasse eine Stunde in der Woche einrichten, in denen die Schüler beraten werden: Wie kommen sie voran? Was sind ihre Schwerpunkte? Wo sind sie gut? Wie können sie sich verbessern? Es ist wichtig für die Schüler, dass wir uns regelmäßig einzeln um sie kümmern können. Dafür gibt es an Realschulen keine Lehrerstunden. Wir machen deshalb bislang den Schülersprechtag und den Elternsprechtag. Damit sind wir im Vergleich der Realschulen sehr gut, aber wir würden gerne intensiver beraten.

Bahn frei für die gymnasiale Oberstufe auf der Hesse
Die starken Schüler einer Gemeinschaftsschule werden ab Klasse 5 auf Gymnasialniveau unterrichtet. Das wollen wir auch in Klasse 11-13 ermöglichen. Wir möchten eine Oberstufe hier im Haus beantragen und unsere guten Schüler bis zum Abitur begleiten.

Ihr Kind entwickelt sich etwas langsamer als andere? Sie wollen kein G8 für Ihr Kind?
„Spätentwickler“ und alle, die kein G8 machen wollen, vielleicht noch nicht in allen Fächern Gymnasialniveau haben... bekommen einen Weg zum Abitur. Wir möchten Profile einrichten, die Schüler in ihren starken Bereichen herausfordern: An einer Gemeinschaftsschule hätten wir Lehrerstunden, mit denen Profile für starke Leistung in den Hauptfächern einrichten würden. Das hilft unseren Schülern auf dem gymnasialen Weg und im Beruf. Wir würden zudem Profile im musisch-sportlichen Bereich einrichten.

Sitzenbleiben abgeschafft
Unsere Schüler sind nach dem Sitzenbleiben oft nicht besser als zuvor und ändern ihre Arbeitseinstellung kaum. An einer Gemeinschaftsschule würde niemand mehr sitzen bleiben. Wenn Schüler in einem Fach nicht gut sind, arbeiten sie auf Hauptschulniveau mit und können sich dann wieder steigern. Wer für die Realschule zu schlechte Noten hat, muss bislang die Schule verlassen. An einer Gemeinschaftsschule können diese Schüler nach Klasse 9 den Hauptschulabschluss ablegen.

Zusätzliche Räume: Neubau für bessere Versorgung in Sicht!
Studienzentrum, bessere Aufenthaltsbereiche, Nebenräume, das brauchen wir schon lange. Als Gemeinschaftsschule bräuchten wir zwingend und anerkannter Maßen Nebenräume neben den Klassenzimmern, schließlich lernen die Schüler gleichzeitig unterschiedliche Dinge. Aktuell prüfen wir mit der Stadtverwaltung, wie dies umzusetzen wäre. Wir können keine Details versprechen, weil der Gemeinderat darüber entscheiden muss, aber Reutlingen ist eine vorbildliche Schulstadt und würde uns sicherlich gut ausstatten. Nach den Vorschriften des Landes werden uns in unserer Größe als Gemeinschaftsschule viele hundert Quadratmeter zusätzlichen Raum garantiert und Landesmittel für den Schulbau bereitgestellt. Wir planen bislang Nebenräume, ein Studienzentrum, Aufenthaltsbereiche und vielleicht ein Schülerca-fe. Das wäre ein wichtiger Impuls für uns. Übrigens für alle Schüler: Auch wer jetzt in den unteren Klas-sen der Realschule ist und nicht mehr Gemeinschaftsschüler werden kann, profitiert von den baulichen Veränderungen.

Neue Außenanlage mit Bewegungs- und Spielmöglichkeiten
Als Gemeinschaftsschule würden wir einen anderen Außenbereich benötigen mit mehr Bewegungs- und Spielmöglichkeiten, vielleicht Kletterwände, Tischtennisplatten usw. Wir haben einen ersten Rahmen entwickelt, und möchten zur Konkretisierung Schülerideen und Elternideen abwarten und aufnehmen.

Kein Ärger mehr mit den Hausaufgaben - Montag , Dienstag und Donnerstag Hausis in der Schule
An einer Gemeinschaftsschule gibt es mehr Lehrerstunden, so dass es möglich würde, an drei Tagen über Mittag eine Unterrichtsstunde einzurichten, in der Hausaufgaben gemacht werden. Dies ist eine wichtige Entwicklung für uns: In unseren Klassen gehört es für viele Schüler zum Alltag, ohne Hausaufgaben in den Unterricht zu kommen. Ein guter Ausweg aus der Hausaufgabenmisere ist die Betreuung der Hausaufgaben in der Schule.

Ganztagesbetreuung
Die Hausaufgabenbetreuung und die zusätzlichen Beratungs- und Profilstunden führen dazu, dass die Gemeinschaftsschule Ganztagesschule wird. Wir Lehrer haben uns bewusst für eine dreitägige Ganztagsschule entschieden, damit die Schüler noch genügend Zeit für Vereine und Hobbys haben. Übrigens: Es gibt in der Gemeinschaftsschule zwar drei Mal Mittagschule statt wie bisher meist zwei Mal, aber die Mittagschule wäre gegen 15.30 Uhr zu Ende. Es bliebe genug Zeit für Privatleben, Vereine und Freizeit.

Wann beginnt die Gemeinschaftsschule? Was nutzt Sie den jetzigen Schülern?
Alle bisher hier beschulten Schüler profitieren von der Gemeinschaftsschule, aber sie werden die Oberstufe nicht nutzen können und auch die zusätzlichen Förderstunden nicht erhalten. Ihr Kind bleibt wie gehabt Realschüler und wird unsere bewährte Hesse Konzeption bis zur 10. Klasse durchlaufen. Alle jüngeren Schüler würden aber von den Nebenräumen, den Bewegungsräumen im Freien, von einem Studienzentrum, neuen Aufenthaltsräumen, einem Schülercafe... stark profitieren. Und natürlich profitieren die jetzigen Hesse-Schüler auch von der Pädagogischen Konzeption: Im nächsten Schuljahr beispielsweise wird eine verstärkte Projektorientierung in der Jahrgangsstufe 7/8 der Realschule eingeführt. Ein Übungsplan mit Aufgaben auf drei Niveaustufen beginnt in Klasse 5 der Realschule. Ob wir Profile zur Förderung von Stärken teilweise verwirklichen können, ist noch ungeklärt. Hier fehlen die Zusatzstunden, die in einer Gemeinschaftsschule möglich werden. Diese drei genannten Vorgehensweisen sind Teil unserer Anpassung die neue Schülerschaft, die ab dem nächsten Schuljahr zu uns kommt. Damit wollen wir ab sofort die einzelnen Schüler und ihre Verschiedenartigkeit stärker berücksichtigen.

Die oben benannten Aspekte zeigen deutlich: Die Gemeinschaftsschule ist ein echter Gewinn für uns und Reutlingen, für alle jetzigen und künftigen Schülergenerationen. Es lohnt sich für uns Lehrer uns dafür einzusetzen! Daneben gibt es unumkehrbare Veränderungen im Schulsystem, die unsere Schule jetzt - schon ganz ohne Gemeinschaftsschule - so verändern, dass wir sofort reagieren müssen.

Andere Schüler auf Realschulen und Gymnasien ab 2012/13: Wir müssen uns ändern
Die neue Landesregierung hat bereits weitreichende Entscheidungen in Bezug auf das Bildungswesen im Land getroffen. Durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung können die Eltern nun entscheiden, welche weiterführende Schule Ihr Kind besuchen soll. Das heißt, dass auch Kinder mit Hauptschulempfehlung auf Gymnasien gehen können, oder auch auf Realschulen. Dies hat zur Folge, dass es innerhalb der Realschule und dem Gymnasium noch unterschiedlichere Schüler zusammen beschult werden, als bislang. Wir müssen unseren Unterricht deshalb umstellen! Wir haben ab sofort automatisch die Schülerschaft einer Gemeinschaftsschule bei uns im Unterricht, bekommen als Realschule aber keine Lehrerstunden und Räume.

Die Hauptschulen werden schließen, die Realschule wird die neue Schule für Hauptschüler und Realschüler
Eine Folge des Wegfalls der Grundschulempfehlung ist, dass die Hauptschulen nur wenige Schulanmeldungen erhalten haben. Einige Hauptschulen in Reutlingen konnten keine fünften Klassen mehr bilden, andere haben eine ihrer üblichen zwei Klassen eingebüßt. Neben der Hermann-Hesse-Realschule oder Hesse-Gemeinschaftsschule wird der Hauptschulzweig der Gerhart-Hauptmann-Schule nicht dauerhaft bestehen können. Die Schüler kommen an unsere Schule.  
Wir würden gerne zusammen mit der Gerhart-Hauptmann-Schule eine Gemeinschaftsschule einrichten. Warum? Weil so zwei motivierte Kollegien mit vielfältigstem pädagogischem Knowhow eine Schule für alle Schüler entwickeln könnten. Für diesen Standort in der Stadt sprechen viele Argumente: Das große Schulgelände mit zwei Turnhallen und vielen Fachräumen, die guten Konzepte beider Schulen und die zentrale Lage.

Lernt mein Kind mit Gymnasialempfehlung gut mit Hauptschulkindern?
Einige Eltern stellen sich die Frage, ob Schülerinnen und Schüler mit Gymnasialempfehlung von einem Schüler mit Hauptschulempfehlung etwas lernen können. Das können diese durchaus. Sie lernen nicht nur von ihm sondern auch durch ihn. Wenn in Lerngruppen, in denen alle Bildungsniveaus unterrichtet werden, die Starken den Schwachen etwas erklären, dann profitieren beide davon. Der Erklärende wiederholt und verinnerlicht den Lerninhalt und der Instruierte bekommt in altersgerechter Sprache einen Sachverhalt erklärt, den er dadurch besser verstehen kann. Es gibt Studien, die belegen, dass die starken Schüler nicht von den Schwachen aufgehalten werden, sondern profitieren. Wichtig ist eine gute Mischung der Klassen: 1/3 Gymnasiasten, 1/3 Realschüler und 1/3 Hauptschüler wäre sicherlich eine gute Lernsituation.

Eltern und Schüler sind gefragt: Wir haben ein Jahr Zeit Ihre Ideen aufzunehmen
Nachdem die Lehrer die grundsätzlichen pädagogischen Fragen gelöst haben, sind nun das Wissen und die Erfahrung der Schüler und Eltern gefragt. Wir wollen Sie in Detailplanungsprozesse einbeziehen: Welche Impulse möchten Sie für die Gestaltung des Außenbereichs für den Aufenthalt über Mittag geben? Richten wir ein Schülercafe ein? Welche Impulse können Sie zu den pädagogischen Konzepten geben? Wir möchten Ihnen die Konzepte und Details im Laufe der Zeit genauer vorstellen und dabei Ihre Impulse aufnehmen.
Wir kommen wieder auf Sie zu!

Fußleiste