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Bewegender Bericht eines Zeitzeugen

David Salz als Zeitzeuge der NS-Zeit und die Begnung mit seinen drei Schutzengeln

Am 14. Oktober 2013 war Herr David Salz zu Besuch in unserer Schule, um über seine Erlebnisse während der Nazizeit im Konzentrationslager Auschwitz und danach zu erzählen.

Als Jude und jüngerer Sohn von Josef und Dora Salz wurde er 1929 geboren und lebte mit seiner Familie in Berlin. Während der Naziherrschaft in Deutschland wurde sein Vater 1936 verhaftet und am 24. Dezember 1939 erschossen. Seine Mutter, die bei Siemens zwangsverpflichtet war, kam 1943 eines Tages nach der Arbeit nicht nach Hause und auch Freunde und Kollegen der Mutter wussten nicht, wo sie war. Auch eine Suche nach ihr blieb erfolglos. Einige Tage später wurde David von der Gestapo in Haft genommen und in einen sogenannten Stehkerker gebracht. Dort erfuhr er, dass seine Mutter bereits auf dem Weg nach Auschwitz war und er ebenfalls dorthin gebracht werden sollte. Mit einem notdürftig gepackten Rucksack, in den er hastig Kleidung für sich und seine Mutter packte, wurde er abtransportiert.

Die Fahrt erfolgte in Viehwagons, in denen bis zu 100 Menschen untergebracht wurden. In Auschwitz angekommen, mussten sich alle Gefangenen verschiedenen Gruppen zuordnen. Da seine Mutter eine Arbeiterin war und er damals Elektriker werden wollte, glaubte er sie in der Arbeitergruppe zu finden. So gab er sich als 17 jähriger Elektriker aus.

Alle Gefangenen mussten nach der Ankunft ihre Kleidung abgeben und wurden in Waschräumen gewaschen und ihnen wurden die Haare abgeschnitten. Jeder Gefangene bekam eine Nummer eintätowiert, die von David Salz lautet 186 und man sieht sie noch heute auf seinem Arm.

In der Arbeitsgruppe traf er zum ersten Mal einen seiner drei Schutzengel, die der Grund für sein Überleben waren. Erich Markowitsch war bereits schon 10 Jahre im Konzentratzionslager und wurde später Minister der Deutschen Demokratischen Republik. Von ihm erfuhr er, dass seine Mutter bereits am Tag ihrer Ankunft vergast wurde. Erich Markowitsch versprach dem jungen David, für ihn da zu sein und ihn so gut es ginge zu beschützen. Da Markowitsch eine Art Vorarbeiter war, gab er David Aufgaben, wo er ihn behüten konnte, wie z.B. das Verputzen von Hauswänden.

Einige Zeit später lernte David seinen zweiten Schutzengel kennen. Franz Kowalski aus Polen, der als Schneider und Gefangenen-Gruppen-Leiter auch schon lange Zeit im Straflager war, wich ebenfalls nicht von seiner Seite. Bei einem langen Marsch von über 50 Kilometern, der von der SS angesetzt wurde und in dem über 10.000 Gefangene unter schlimmsten Bedingungen in das Gefangenenlager in Gleiwitz marschieren mussten, war auch Franz Kowalski dabei.

Die Lebensbedingungen für die Überlebenden waren in Gleiwitz schrecklich. David war mit eingeteilt bei der Gruppe, die am Raketenprojekt von Werner von Braun gearbeitet hat. Prügel und Quälereien waren an der Tagesordnung und beinahe jeder 5. Arbeiter starb dort. David wurde mit anderen 2.300 Häftlinge in einen Schonblock geworfen, in dem man die Gefangenen verhungern lassen wollte.

Ihm gelang eines Tages während einer Bombardierung des Straflagers die Flucht. David Salz übernachtete nachts auf einem Friedhof und als er in Ohnmacht fiel, wurde er von Panzergeräuschen wieder geweckt. Er stellte schnell fest, dass es sich nicht um deutsche Panzer handelte. Er lief auf die Panzer zu und dort traf er auf einen dunkelhäutigen Juden, der ihn „Schalom“ (jüdischer Gruß) herzlich begrüßte. Mit diesen Soldaten fuhr er mit und er lernte sie als hilfsbereit und herzlich kennen. Neben Schokolade und anderen Dingen, verhielten sie sich sehr freundlich ihm gegenüber. Nachdem die Amerikaner aber nach Japan abgezogen wurden, kamen die Russen und damit eine neue schreckliche Zeit. Im Gegensatz zu den Amerikanern waren sie brutal, vergewaltigten Mädchen und Frauen und mordeten ebenso wie die Deutschen es vorher taten.

David lernte Gregori kennen und fand in ihm seinen dritten Schutzengel. Mit Hilfe von Gregori gelang es ihm, nach Berlin zu kommen. Der Russe besorgte ihm einen Sitzplatz im Zug und übergab David einen schweren Koffer, den er erst in Berlin öffnen durfte. In diesem Koffer war Wodka, der in der Zeit das beste Zahlungsmittel war. Durch den Wodka als Zahlungsmittel gelang es David nach mehreren Anläufen ein Visum zu erhalten, mit dem er nach Israel auswandern konnte. Dort hat er in einer Wohngemeinschaft in einem Kibbuz gelebt und erlernte dort den Beruf des Elektrikers.

43 Jahre lang arbeitete er in dem Elektriziätswerk und heiratete dort seine Frau, mit der er zwei Söhne bekam. Seine Frau starb 2005.

Die drei Schutzengel, die David traf, haben ihn zwar vor dem Tod bewahrt, aber er fühlt sich nicht befreit, denn bis heute trägt er die Narben und Wunden am Körper und in seiner Seele mit sich. Er kann bis heute keine einzige Nacht durchschlafen. Noch heute hat er Kontakte zu den Familien seiner Schutzengel und zu anderen Überlebenden aus dieser Zeit.

Viele aus der Schulklasse bewegte diese Begegnung sehr und vor allem werden sich alle noch sehr lange an die abschließenden Worte von David Salz erinnern.
„Ich gebe keinem von euch die Schuld an dem was passiert ist, aber ich möchte euch warnen, dass ihr immer wachsam sein sollt in eurer Zukunft.“

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